Geschichte
Die Freiwillige Feuerwehr in der Eddelaker Dorfchronik
Das Ziel der Freiwilligen Feuerwehr ist es seit
über 100 Jahren das gleiche geblieben: Dem
Nächsten, der in Not geraten ist, zu helfen,
Schaden vom heimatlichen Ort abzuwenden
und für die Dorfgemeinschaft einzustehen.
Bei Bränden in den Dörfern Dithmarschens
wurden 1866, also bis das Land preußisch
wurde, Brandwehren eingesetzt, zu der
zwangsweise alle männlichen Einwohner
zwischen 20 und 60 Jahren gehörten. In den
Häusern hatten Patschen und Noteimer ihren
festen Platz. Ging das Feuerhorn, hatten
sich damit die Einwohner sofort zum Brandplatz
zu begeben. Diese Brandwehren waren
recht undisziplinierte Haufen, mit denen
im Ernstfall nicht viel anzufangen war. Die
Brände nahmen meist große Umfänge an.
Die ersten nach 1846 gegründeten Freiwilligen
Feuerwehren erwiesen sich dagegen
als recht schlagkräftige Einheiten. Auch in
Dithmarschen entstanden schon früh eine
derartige Wehr, 1847 in Heide. Sie musste
aber nach der unglücklich verlaufenen Erhebung
Schleswig-Holsteins gegen Dänemark
wieder aufgelöst werden.
Als das Land dann nach dem Krieg von 1866
gegen Österreich preußisch wurde, kam es,
angeregt durch entsprechende Regierungserlasse,
verstärkt zur Gründung von Freiwilligen
Feuerwehren, dass es sich lohnte,
einen Provinzialverband zu gründen. Seit
1892 gibt es auch Kreisfeuerwehrverbände.

Wo in den Ortschaften Spritzen vorhanden
waren, wurden diese meist von den Freiwilligen
Feuerwehren übernommen.
Die Brandwehr trat ins zweite Glied. Sie wurde
zur Reserve umfunktioniert, die nur noch
gelegentlich übte und gerufen wurde, wenn
es ganz „dick“ kam, also nur bei sehr großen
Feuern. In den Freiwilligen Feuerwehren
herrschte damals eine strenge Hierarchie,
an deren Spitze die Männer der Steigerabteilung
standen. Fast das gleiche Ansehen
hatten Strahlrohrführer. Das Gros der Wehr
aber stellten die Spritzenmannschaften, die
Schwerarbeit an den Handdruckspritzen zu
leisten hatten. Sie arbeiteten mit Ablösung
in zwei Schichten sozusagen.
Bei stundenlangen Einsätzen stellte sich
meist ein erheblicher Grad an Erschöpfung
ein. Kein Wunder, dass es das Bestreben der
Männer war, aus dieser Abteilung möglichst
zum Strahlrohrführer oder sogar zum Steiger
aufzusteigen.
Den Einheitsfeuerwehrmann, der später im
Zeitalter der Motorspritzen propagiert wurde
und der alles können muss, gab es vor
100 Jahren noch nicht.
Heute ist die Feuerwehr schon wieder dabei das Konzept des Einheitsfeuerwehrmanns
aufzulösen. Zwar durchläuft jedes
Mitglied selbstverständlich noch die Grundausbildung.
Die Spezialisierung aber setzt
schon wieder ein, weil die Technik ein immer
höheres Maß ankönnen verlangt. So
ergänzen heute Sonderlehrgänge für Maschinisten,
Funker und Atemschutztgeräteträger,
sowie in technischen Hilfeleistungen,
die Normalausbildung.
Die Gründung
Unsere Wehr wurde am 10. Juli 1881 gegründet.
Damals traf man sich bei der Witwe
Thiessen, hiesig, in der späteren Gastwirtschaft
Popp, der heutigen Durchfahrt

von Werner Dohrn in der Süderstraße.
Das Gründungsprotokoll hängt gerahmt im
Feuerwehrgerätehaus. Es lautet:
„Behufs Bildung einer freiwilligen Feuerwehr
für den Löschdistrikt: Dingen-Warfen,
Behmhusen-Westerbüttel und Lehe sind die
Unterzeichneten auf Grund zu entwerfen
der Statuten als aktive Mitglieder der
Feuerwehr fungieren. Zur Entwerfung der
Statuten, Vorlegung von Vorschlägen zur
Anschaffung von Apparaten und Bereitstellung
der nötigen Geldmittel zur Erreichung
des statuarischen Zwecks wird eine Kommission
erwählt, bestehend aus:
- Steiger Mügge als Vorsitzender
- Kirchspielschreiber Grosch als Schriftführer
- Jakob Wilkens
- Uhrmacher Embke
- Tischler Peter Hintz
- der Vorsitzende des Löschdistrikts H. Ehlers zu Warfen“
Von den 19 anwesenden Interessenten
wurden diese sechsköpfige Kommission
gewählt. Schon 10 Tage später, am 31. Juli
1881, wurde die 1. ordentliche Versammlung
einberufen, bei der die ausgearbeiteten
Statuten und die Dienstverordnung angenommen
wurden.
Durch Stimmzettel wählte die Versammlung
Johann Boi Hanno, damals Besitzer des
Thormählenschen Hofes, zum Hauptmann.
Die Mannschaft teilte sich in Steiger und
Löschzug und wählte jede für sich ihren

Führer, und zwar den Klempnermeister Jakob
Wilkens bei den Steigern und den Bauern
Sühl Schomacker für den Löschzug.
Eine alte Spritze, die im Löschdistrikt Eddelak
vorhanden war, wurde der jungen
Feuerwehr übergeben. Durch Spenden,
verlorene Zuschüsse der Sparkasse und
verschiedene Feuerversicherungen war es
möglich, die nötigsten Geräte, wie Gurte,
Leitern, Patschen zu beschaffen. Es vergingen
3 Jahre, bis die 32 Wehrmänner, so viele
waren es inzwischen, ihre ersten Uniformen
bekamen, neue graue Joppen, die von den
Schneidern Haß und Hansen für sechs Mark
bei einem Stoffpreis von 3,40 Mark pro Elle
angefertigt wurden.
Das erste Gerätehaus
1885 konnte aus Abbruchmaterial einer
Scheune in der Süderstr. das erste Spritzenhaus
mit dem auffallend großen Trockenturm
gebaut werden. Bis dahin diente ein
Anbau an der Nordseite des Kirchturms als
Gerätehaus.
Die Feuerwehrleute mussten sich immer auf
3 Jahre Dienst verpflichten. Nach Ablauf
dieser Zeit konnten sie ausscheiden oder
sich für weitere drei Jahre verpflichten. Man
vergaß von Anfang an nicht des Lebens
Freuden bei allem Ernst im Dienst.
Es heißt zur Vorbereitung des dreißigjährigen
Stiftungsfestes:
„Die Ausführung wird dem Festkomitee
überlassen. Dieselben haben daran festzuhalten,
dass für den Kommers ca. 120l Bier,
8 Bowlen Punsch und zwei Kisten Zigarren
für die Kameraden angeschafft werden.“
In einem Interview erzählt unser Frisör Alfred
Nickels, dass er 1930 auch in die Feuerwehr
eintreten wollte. Man nahm ihn aber
nicht, weil er damals noch in der Averlaker
Straße im Haus seiner Eltern (heute Nicklaus)
wohnte und das zu weit „ut de Kehr“
war.
1937 stellte er noch einmal den Antrag und
wurde aufgenommen. Alfred Nickels betätigte
das Feuerhorn für den Bezirk Theeberg
und „Pissbüdelsgang“, wie der heutige
Kampweg damals im Volksmund hieß.
Wenn Nickels seinen Kollegen das Feuerhorn
das Feuerhorn blasen hörte, nahm er
seins, rannte zur Tür und blies einige Male
tüchtig hinein. Dann wusste der andere „Er
hat´s gehört“. Anschließend lief Nickels tutend
durch die Straßen, um die Wehrmänner
in diesem Ortsteil zum Dienst zu rufen.
Die Pferde auf Schomackers Koppel an der
Schulstr., die die Spritze zu ziehen hatten,
galoppierten beim Ruf des Feuerhorns sofort
zum Heck.
Man erzählt sogar, manchmal setzten sie
darüber und rannten zum Gerätehaus, das
ja ganz in der Nähe war. Ob das letztere
nun ganz stimmt, wusste Nickels auch nicht
genau.
Die Einsätze
Am Theeberg brannte einmal der Bauer
Kloppenburg, heute das Anwesen Diedrichs.
Trotz schnellem Einsatz war nichts zu retten.
Ein anderes Mal brannte es in Behmhusen.
Es war stockfinstere Nacht und die Wehrmänner
suchten Wasser. Plötzlich schrie einer:
„Hier, hier is Water, ick sitt mitten bin.
Da stand er im Fleet bis zum Bauch.
Einmal hatte man alles auf einen zweirädrigen
Anhänger geladen und war zu einem
anderen Brand in Behmhusen geeilt. Dort
stellte man entsetzt fest, dass man in aller
Hast vergessen hatte, die Spritze, die sich
zur Reparatur beim Schmied Mügge befand,
abzuholen und mitzunehmen. Bis zum Jahre
1962 gab es immer nur aus den Zuggräben
und den Fleeten Löschwasser.
Damals stellte man einen Weidekorb ins
Wasser, tat dorthin den Saugkorb des
Schlauches, damit der Schlauch nicht durch
Blätter , Astwerk u. a. aus dem Fleet verstopfte.
Dann begann das Löschen.
Die Technik hält Einzug
Die erste moderne Handdruckspritze wurde
1926 durch eine Magirus Motorspritze
ersetzt. Der Hauptmann Haack hatte dafür
gearbeitet. Immerhin hatte Eddelak nach
Meldorf als zweite Feuerwehr im Kreis so
eine moderne Spritze.
Als sie dann eintraf, fehlten 2.400 Mark.
Hauptmann Haack rief die Eddelaker zum
Spenden auf. Schnell kam die fehlende
Summe zusammen, und stolz berichtete
Haack: „Es gab kaum einen, der weniger als
20 Mark spendete.“
1946 wurde von der ehemaligen deutschen
Wehrmacht ein Opel-Blitz, Baujahr 1940,
als Löschfahrzeug übernommen. Die TS8/8
wurde in einem Anhänger mitgeführt.
1948: Da das alte Gerätehaus in der Süderstraße
mehr als baufällig war, wurde
am Sportplatz ein neues errichtet, das bis
zum Jahre 1979 seinen Dienst erfüllte. Man
brauchte kein Turm zum Schläuchetrocknen
mehr, das wurde in Brunsbüttel gemacht.
Viel wird berichtet in der Presse über die
Feste, die die Wehrmänner mit ihren Frauen
und den Bürgern feierten.
So fand 1951 das 70jährige Stiftungsfest
mit dem Spielmannszug Meldorf statt.
1956 feierte man dann das 75jährige mit einem
Wecken des Ostermoorer Spielmannszuges
durch den Ort, mit einem Kirchgang
und Kranzniederlegung am Ehrenmal unter
der Obhut von Wehrführer Johannsen, mit
einer Löschübung der Wehren Eddelak,
Averlak-Blangenmoor und Brunsbüttel
Nord am Heitmannschen Gasthof und mit
dem abschließenden Festkommers in Suhr‘s
Hotel.
Vor dem Tanz gab es meistens ein Theaterstück,
für das viele Jahre Alfred Nickels als
Speelbaas die Leitung hatte. Später wurde
er abgelöst von der Theatergruppe unter der
Leitung von Rudolf Moritz.

In der Chronik der Wehr finden wir aus dem
Jahre 1962 die Dankesurkunde des Landkreises
Süderdithmarschen für die während
der schweren Sturmflut am 16./l7. Februar
geleisteten Dienste.
In diesem Jahr bekam man ein neues Löschfahrzeug,
ein TSF (Staffelbesetzung 1/5), das
aber schon 1967 durch ein LF8TS mit
Vorhaupumpe ersetzt wurde, weil ersteres
zu klein war.In den Jahren 1962 bis 1965
trieb nämlich ein Feuerteufel im Raum Eddelak-
Brunsbüttel sein Unwesen.
Die Eddelaker Wehr wurde in dieser Zeit
stark gefordert und hart geprüft.
(Mehr zum Thema "Der Feuerteufel" findet sich im
Archiv)
Gesamtschaden 1.574.000 Mark
- 07.04.1962 Scheune von Erich Behrens in Brunsbüttel 4.000 Mark
- 20.04.1962 Scheune von Heinrich Piehl in Brunsbüttel 180.000 Mark
- 22.07.1962 Zwei Wirtschaftsgebäude von Jürgen Mohr in Osterbelmhusen 180.000 Mark
- 11.11.1962 Scheune von Klaus Schomaker in Eddelak 85.000 Mark
- 17.12.1962 Scheune von Reimer Schmielau in Blangenmoor 50.000 Mark
- 06.01.1963 Scheune von Otto Dohrn in Westerbüttel 150.000 Mark
- 13.01.1963 Scheune von Hans Wulff in Blangenmoor 150.000 Mark
- 30.06.1963 Stall von Hermann Ahlers in Brunsbüttel 5.000 Mark
- 16.09.1963 Wirtschaftsgebäude von Paul Bucholz in Belmermoor 150.000 Mark
- 05.11.1963 Wirtschaftsgebäude von Frau Paulsen in Westerbüttel 200.000 Mark
- 06.01.1964 Wirtschaftsgebäude von Karl Timmermann in Westerbüttel
- 13.08.1964 Scheune von Hermann Siemen in Westerbüttel 190.000 Mark
- 04.11.1964 Wirtschaftsgebäude von Paul Buchholz in Westerbüttel 230.000 Mark
- 11.12.1964 Schweinestall von Heinrich Kloppenburg in Westerbüttel 25.000 Mark
- 21.02.1965 Stall und Wirtschaftsgebäude von Reimer Söhl in Westerbüttel 150.000 Mark
- 25.07.1965 Stall und Wirtschaftgebäude des Bauern Dohrn in Westerbüttel 150.000 Mark
Die erste Motorspritze

Am 28. September 1926 stellt der damaliger
Wehrführer Johannes Haack über die Gemeinde
einen Antrag an den Kreis über eine
Beihilfe zur Anschaffung einer Motorspritze.
Diese sollte 5000 Reichsmark kosten.
Doch dieser Antrag kam zu einem ungünstigen
Zeitpunkt. Die Kassen im Feuerwehrwesen
waren gebeutelt. Bereits ein Jahr zuvor
hatte die Landesbrandkasse, die bis dahin
die Wehren finanzkräftig unterstützt hatte,
ihre Zuschüsse zurückschrauben müssen.
Reformen in der preußischen Provinz
Schleswig- Holstein hatten die Einnahmen
der Landesbrandkasse verringert.
Aus diesen Gründen blieben Zuschüsse von
Landesebene zu diesem Zeitpunk aus. Gewährt
wurde dagegen ein Darlehen in Höhe
von 1000 RM. Sollten bis dahin Mittel zur
Verfügung stehen sei eine Umwandlung in
einen Zuschuss nicht ausgeschlossen.
Ein wenig mehr Hoffung machte der zuständige
Kreisausschuss. In einem Schreiben

vom 02. Oktober heißt es:
„Der Kreisausschuss kann dem Antrag, betr.
Beihilfe zu den Anschaffungskosten einer
Motorspritze, erst nähertreten, wenn die
Frage geklärt ist, welchen Gemeinden die
Motorspritze dienen soll. Der Kreistag hat
Beihilfen bisher (bis dahin hatte eigentlich
nur Meldorf eine Motorspritze bekommen )
nur unter der Bedingung zur Verfügung gestellt,
daß die zu beschaffende Motorspritze
mindestens 3 Gemeinden zur Verfügung gestellt
wird. [...]“
Im Folgenden wurde beschlossen die Pumpe
im Bedarfsfall an Brunsbüttelkoog und Burg
auszuleihen. Als Gebühr wurde ein Satz
von 50RM plus Personalkosten von 150RM
für eine der beiden bedienenden Personen
festgesetzt.
Nach einer Absprache mit dem Landesbranddirektor,
-
„Auf Wunsch teile ich EW.
Hochwohlgeboren mit, daß die Magirus-
Motorspritze für 800l/Min. Wasserleistung
den Normen des Reichsverbandes deutscher
Feuerwehringenieure entspricht, für
Schleswig- Holstein zugelassen ist. Ihre Größe
entspricht den Bedürfnissen der Gemeinde
Eddelak.“ - erteilte der Kreisausschuss
eine Beihilfe von 800 Reichsmark.
Obwohl die Finanzierung noch nicht gesichert
war wurde bestellt. Aus der Auftragsbestätigung
von Magirus Feuerwehrgeräte
GmbH erfahren wir, dass eine „zweirädrige
Magirus-Benzin-Motorspritze Modell München
mit 800 Liter Minutenleistung“ mit
der Aufschrift „Kirchspiels- Landgemeinde
Eddelak 1926“ zusammen mit 4x 2m
Schlauch, einer Leine, einem Strahlrohr mit
Normalkupplungsanschluss und einer extra3
gewünschten Petroleum-Lampe geliefert
werden sollte.
Zwar wurde das Strahlrohr vergessen und
der Vergaser der Spritze war schnell defekt
aber neue Teile wurden umgehend geliefert.
Nachträglich entschied sich der der Kreisausschuss
nun die Hälfte der Kosten zu
übernehmen. Im April 1927 empfing die
Gemeinde so einen Zuschuss in Höhe von
2800RM. Auch von Seiten Landesbrandkasse gab es
gute Nachrichten. So wurde ab Oktober
1927 1000RM zur Finanzierung nachträglich
beigesteuert und das Darlehen voll in
Zuschüsse umgewandelt.
Das liebe Geld und die Not mit der Technik
Mit der neuen Motorspritze hatte Eddelak
im Feuerwehrwesen einen gewaltigen
Schritt nach Vorne getan. War diese Art der
Wasserförderung einer handbetriebenen
Pumpe in Leistung und Personenbedarf weit
überlegen.
So finden sich für die Folgejahre viele Rechnungen,
die den Einsatz in den umliegenden
Wehren dokumentieren. Besonders häufig
schien die Motorspritze in diesen Jahren bei
der damaligen „Mineralöl- und Asphaltwerke
AG“ in Ostermoor im Einsatz gewesen
zu sein. Zahlreiche Rechnungen und Versicherungsschreiben
über kaputte Schläuche
sind noch vorhanden. Damals waren die
meisten Schläuche noch aus Hanf, gummierte
Schläuche kamen gerade erst auf,
waren aber noch sehr teuer. Die Schläuche
aus Hanf dichteten erst richtig ab wenn
sich der Stoff durch das Wasser ausgedehnt
hatte. Die Raffinerierückstände in dem
Löschwasser verhinderten dies jedoch, sodass
hier einmal fast die kompletten Druckschläuche,
damals 225m, gewechselt werden
mussten.
Doch gerade die Gebühren für das Leihen
der Spritze war häufig Ausgangspunkt für
Streitigkeiten. Die Leihgebühr sei zu hoch,
sie sei unrechtmäßig erhoben worden oder
die Motorspritze sei gar nicht erst angefordert
worden heißt es in Streitschreiben. In
den meisten Fällen wurde dies jedoch umgehend
geklärt. Eine etwas stärkere Auseinandersetzung
hatte man jedoch 1935 mit
der Feuerwehr in Ramhusen.
Nach einem Brand am 27. Juni des Jahresforderte
die Eddelaker Gemeinde einen
Betrag von 56 Reichsmark von Ramhusen.
Gemessen an der Kaufkraft entsprechen
diese 56 RM in heutiger Zeit etwa 250 Eur.
Diese weigerte sich jedoch die Gebühr zu
bezahlen, deren Einführung damals Bedingung
des Kreises war, um Fördergelder zu
zahlen.
Ramhusen verwies auf die §20 des Gesetzes
über das Feuerwehrwesen von 1933 das
besagte, dass die nachbarschaftliche Löschhilfe,
damals definiert durch einen Umkreis
von 7,5km, unentgeltlich zu leisten sei. Eddelak
beharrte auf der Gebührenordnung.
Es wurde auch der Kreisfeuerwehrverband
und Landrat eingeschaltet. Der Kreiswehrführer
äußerte sich wie folgt zu dem Thema:
„Zur Nachbarschaftlichen Hilfeleistung, war
Eddelack verpflichtet mit einer Spritze
auszurücken, da keine Handdruckspritze
vorhanden, musste die Motorspritze ausrücken.
Die berechneten Kosten halte ich zu
hoch, welche falls angefordert wohl angemessen
wären. Ich empfehle, die Forderung
auf Mk. 25,00 zu ermässigen.“
Die Reaktionen darauf und die Folgen sind
nicht erfasst. Das nächste Schreiben ist zwei
Monate später vom Landrat ausgegangen
und gibt Ramhusen Recht. Bis zum 07. Mai
1936 findet sich erneut kein Hinweis auf die
Situation bis zu einem erneuten Schreiben
vom Landrat: „Wie mir mitgeteilt worden
ist, soll die Motorspritze aus Eddelak bei
dem letzten grossen Brand in Ramhusen
nicht ausgerückt sein, da eine Entschädigung
für die Inanspruchnahme der Motorspritze
in diesem Falle nicht gezahlt zu
werden brauchte. Nach den massgebenden
Bestimmungen muss bei einem Brande in
einem Umfange von 7 km kostenlos Löschhilfe
geleistet werden. Ich bitte um eine
eingehende Äusserung zur Angelegenheit.“
Darauf die Antwort des Amtsvorstehers
Schomaker: „Die Motorspritze ist auf meine
Veranlassung hin nicht ausgerückt. Ein
Ausrücken ohne Erstattung der Selbstkosten,
wie der Kreisausschuß bei Anschaffung
der Motorspritze verfügt hat, konnte ich mit
Rücksicht auf die Etatlage nicht verantworten,
zumal an eine Rettung des Hauses nicht
zu denken war und eine Gefahr für Nachbargebäude
nicht bestand.“
Der Feuerteufel
In den 60er Jahren hielt ein Feuerteufel die
Eddelaker Wehr in Atem. Mit dem Brand
einer kleinen Scheune in Brunsbüttel am
07.04.1962 begann eine Serie von Bränden
zwischen Brunsbüttel und Eddelak. Alleine
in diesem Jahr brannten vier weiter Scheunen
und Wirtschaftsgebäude in wenigen

Monaten ab. Die Angst besonders der Landwirte
in der Region – „Wer von uns wird der
Nächste sein.“ – schien nicht unberechtigt.
Im Jahr 1963 gab es erneut 5 Großbrände,
an Zufälle glaubte spätestens nun Niemand
mehr. Viele Landwirte und Bekannte traten
in dieser Zeit in die Freiwillige Feuerwehr
ein.
Obwohl die Kriminalpolizei umfassend ermittelte
konnte zu dieser Zeit kein Brandstifter
dingfest gemacht werden. Bis zum
August 1965 waren insgesamt 16 Gebäude
in Flammen aufgegangen die dem Brandstifter
zugeschrieben wurden.
Bei einem Brand 1963 verlor Bauer Otto
Dohrn seine Scheune in Westerbüttel. In
den Flammen kamen einige seiner Schweine
um. Dohrn erhielt einige Tage nach dem
Brand eine Postkarte aus Hamburg ohne
Absender. Der Unbekannte machte Dohrn
den ironischen Vorwurf, dass er auf seine
Tiere besser hätte aufpassen müssen.
Auf die Stunde genau eine Woche später
brannte es erneut. Diesmal fiel die Scheune
Neben den Brandstiftungen stach ein Unbekannter
im gleichen Zeitraum auch 193
Autoreifen auf. Die Polizei vermutete, dass
auch hierhinter der gesuchte Brandstifter
steckte.
Seit 1965 setzte die Polizei einen Streifenwagen
in diesem Gebiet ein, um dem
Brandstifter endlich zu fassen. Die Ermittlungen
hatten bereits einen Tatverdächtigen
hervorgebracht, waren aber bis zu diesem
Zeitpunkt noch nicht für eine Festnahme
ausreichend.
Am 25.07.1965 sollte es nun das letzte mal

zu einem Brand kommen. An diesem Abend
brannte das Wirtschaftsgebäude von Bauern
Dohrn in Westerbüttel. Da das Gebäude
weder bewohnt noch bewirtschaftet war,
daher alle elektrischen Leitungen abgeschaltet
waren und es seit längerem kein
Gewitter gegeben hatte, musste erneut von
Brandstiftung ausgegangen werden.
Kurz vor der Entdeckung des Brandes entdeckte
der eingesetzte Polizeitrupp einen
Mann der auf einem unbeleuchteten Fahrrad
auf dem unmittelbaren Weg von dem
Dohrn-Hof kam. Die Beamten erkannten
den bereits unter Verdacht stehenden Heinz
Carstens und verfolgten diesen, der wenig
später durch das Schlafzimmerfenster in
seine Wohnung einstieg.
Das Fahrrad auf dem Carstens flüchtete
wurde später von Beamten aus dem Helser
Fleth geborgen und als Beweisstück für den
Prozess verwand.
In der auf 5 Tage angesetzten Verhandlung
sollten 30 Zeugen gehört werden, doch
Carstens schien nicht im Geringsten etwas
zu befürchten. Er gab sich sehr selbstsicher
und erklärte ironisch: „Zusammengezählt
wird am Ende. Dann wird sich beweisen,
daß die Anklage großer Quatsch ist.“.
Carstens, der während einer etwa einjährigen
Untersuchungshaft im Landeskrankenhaus
Schleswig auf seinen Geisteszustand
untersucht worden war, wird vom Gericht
Intelligenz bestätigt. „Er scheint die Aufmerksamkeit
zu genießen. Und er liebt es
die Leute vorzuführen und hinzuhalten.“, so
ein Prozessbeobachter.
Carstens wurde zu drei Jahren und vier
Monaten Haftstrafe verurteilt weil er vorsätzlich
16 Brände gelegt und Autoreifen
zerstochen hatte.
Die Wehrführer der Region befürchteten
neue Brände nachdem Carstens nach zwei
Jahren Haft aus gesundheitlichen Gründen
entlassen wurde. Brände gab es in dieser
Zeit keine neuen der Art wie Carstens sie
gelegt hatte.
Allerdings lief dieser am 03. Oktober 1976
am Heider Bahnhof Amok. Der inzwischen
50 Jährige tötete drei Menschen, verletzte
drei weiter zum Teil schwer und richtete sich
anschließen selbst.
(Mehr zum Thema "Der Feuerteufel" findet sich im
Archiv)
Die letzten Jahre - 1993-2003
Das erste Mal, in der damals 113jährigen
Tradition der Eddelaker Wehr, erreichte 1993
Klaus Otto v. Posseln die 50jährige Mitgliedschaft
in der Feuerwehr. Das Durchschnittsalter
der Wehr beträgt damals 40,8 Jahre,
37,8 Jahre sind es heute. Ein Jahr später
musste die Wehr zu einem Großbrand ausrücken.
Die Stallgebäude von Schladetsch in
Behmhusen standen in Flammen.

Von den Tieren konnte nur ein kleiner Teil
gerettet werden, ebenso das Wohngebäude.
Die Polizei sprach von über einer Million
DM Schaden.
Nachdem man bereits 1995 mit der Gründung
der Jugendwehr einen großen Schritt
gemacht hatte, freute man sich ein Jahr später
über den Eintritt von Meike Schoof, der
ersten Feuerwehrfrau in der Amtswehr.
Über ganze 3 Tage war die Wehr 1999 im
Einsatz. Die Papierentsorgungsfirma Rhode
brannte. Nachdem ein im Inneren glimmender
Papierballen angeliefert wurde entzündete
sich dieser bei dessen Verarbeitung
und stecke so die etwa 1500 Tonnen des
gelagertes Papiers in Brand. Die über 50
Kameraden der gesamten Amtswehr konnten
nur noch den Bürocontainer retten. Die
übrigen zwei Tage mussten ständig nachgelöscht
werden, um ein erneutes entzünden
der gepressten Ballen zu verhindert.
Nur wenige Monate später erneut ein großer
Einsatz. Ein Stallgebäude des Reitvereins
Concordia brannte nieder. Dank des

günstig stehenden Windes und der Tatsache
das die Pferde alle im Freien waren, wurde
größerer Schaden abgewendet und die Reithalle
konnte gerettet werden.
2001 erwirbt die Wehr unter Peter Bielenberg
das Leistungsabzeichen Silberschild.
„Ihr habt die Übung mit den verschiedenen
Aufgaben hervorragend gemeistert. Das
Gerätehaus ist in einem ausgezeichneten
Zustand und die Gerätschaften alle tipptopp
gepflegt. Nachdem ihr 1988 das bronzene
Beil und 1991 das silberne Beil geschafft
habt, bekommt ihr jetzt das ,Silberschild`.
Vielleicht ist das auch eine Motivation für
die umliegenden Wehren, sich solch einer
Leistungsbewertung zu unterziehen“, so
der damalige Kreisbrandmeister Uwe Eisenschmidt
beim Überreichen der Plakette.
Bei dem Tag der offenen Tür 2002 musste
auf das LF16 verzichtet werden. Zu diesem
Zeitpunkt war der Katastrophenschutz und
damit auch das Fahrzeug in Dresden um
dort bei der Elbeflut Hilfe zu leisten.
Auch in der jüngeren Vergangenheit rückte
die Wehr zu größeren Schadenslagen aus.
So half man im Jahr 2003 der Wehr Brunsbüttel
bei dem Brand des Teppichhandels
Knutzen. Bei diesem Stand eine Lagerhalle
in Flammen. Nur einen Monat zuvor hatte
man Volsemenhusen unterstützt. In Ramhusen
brannten Wohn- und Wirtschaftsgebäude
eines Hofes.
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